WHätten Sie vor der Saison gedacht, dass der 18-jährige Lucas Coenen beim Lommel GP um den MXGP-Weltmeistertitel kämpfen würde? Sicher nicht. Der neue KTM-Superstar ist bereits in einen klassischen Kampf verwickelt. Der erfahrene und ehemalige MXGP-Weltmeister Romain Febvre führt das Feld an, Coenen liegt nur 10 Punkte dahinter.
Talent, Ausdauer, körperliche Qualitäten, Mut. Coenen vereint alle Eigenschaften, die ein Top-Fahrer braucht. Der selbstbewusste Brüsseler selbst erklärte Anfang des Jahres, er sehe keinen Grund, warum er nicht gleich in seiner ersten MXGP-Saison vorne mitfahren sollte. Starke Worte, und sogar unrealistisch. Inzwischen ist es lange her seit 2007 mit Steve Ramon denn Belgien stellte zuletzt einen Weltmeister in der Königsklasse der Motocross-Weltmeisterschaft.

Ramon war der Meister der Beständigkeit. Dies Lucas Coenen sticht in jeder Hinsicht hervor. Der MX2-Vizemeister fährt die 450er bereits mit der Geschwindigkeit und Reife, die man von einem erfahrenen MXGP-Star erwarten würde. Die Statistiken, die Lucas als MXGP-Rookie im Jahr 2025 sammelte, sprechen für sich:
- 11 Seriensiege (im Vergleich zu 6 für Febvre)
- 4 GP-Siege (im Vergleich zu 4 für Febvre)
- 221 Runden in Führung (im Vergleich zu 103 für Febvre)
Die schnelle Anpassung des Red Bull KTM-Fahrers an seinen neuen Status zeigt sich auch in seinen Podiumsplatzierungen. In 14 GPs stand er nicht weniger als zehn Mal auf dem Podium. Nur Febvre war erfolgreicher. Es ist daher kein Zufall, dass der Franzose auch die Weltmeisterschaft anführt. Coenens Sand-Können stellte seine Fähigkeiten erneut in Finnland unter Beweis, wo er sowohl das Qualifikationsrennen als auch beide Vorläufe gewann.

Außerdem hat Lucas in seinem eigenen Land noch nie gewonnen. An Motivation wird es ihm also sicher nicht mangeln. Romain Febvre (Foto oben) ist ebenfalls ein hervorragender Sandfahrer. Mit 33 Jahren ist dies eine goldene Gelegenheit, noch einmal den Weltmeistertitel zu gewinnen. Der Franzose lebt ebenfalls seit über 10 Jahren in Limburg und gewann sowohl 2023 als auch 2021 in Lommel.
Wer wird sich dem Kampf anschließen?
Wird diese Ausgabe des MXGP Flandern ein Duell zwischen Febvre und Coenen? Vielleicht, obwohl Sandrennen per Definition oft weniger vorhersehbar sind. Unter schwierigen Bedingungen passieren leicht Fehler, und dann kommt es nicht nur auf die reine Geschwindigkeit an, sondern auch darauf, aufrecht zu bleiben. Man denke nur an Kevin Strijbos' überraschende Siege beim Lommel GP (2016).
Wer an überraschende GP-Siege im Sand denkt, dem kommen schnell die Niederländer in den Sinn Brian Bogers (Lommel, 2022) und Calvin Flanders (Sardinien, 2022). Ganz zu schweigen von der grundsoliden Glen Coldenhoff (Foto unten). The Hoff ist aktuell Dritter in der Weltmeisterschaft und befindet sich in der vielleicht besten Form seines Lebens. In seiner ereignisreichen Karriere stand der Fantic-Werksfahrer in De Heeserbergen bereits viermal auf dem Podium. 3 war er dem Gesamtsieg sehr nahe und verzeichnete zudem einen Moto-Sieg.

Wird Herlings eine Zugabe geben?
Vom Stuntman zum weltbesten Sandskater. Beide Beschreibungen treffen perfekt auf den fünffachen Weltmeister Jeffrey Herlings zu. Knapp einen Monat nach seinem Schlüsselbeinbruch beim Training in Arnheim nimmt „The Bullit“ an diesem Wochenende seine Wettkampfkarriere wieder auf. Und das auf einer der härtesten Strecken der Welt.
Obwohl Herlings, aktuell Neunter in der Gesamtwertung, keine Chance auf die Weltmeisterschaft hat, kann er durchaus eine Rolle im Titelkampf beanspruchen. Auch wenn ihm der Rennrhythmus fehlt, bleibt die Red Bull KTM-Ikone ein gefährlicher Gegner.
2021 startete der ambitionierte Brabanter trotz eines Bruchs des linken Schulterblatts, den er sich zwei Wochen zuvor zugezogen hatte, in Lommel. Entgegen aller Erwartungen gewann Jeffrey den ersten Lauf und landete auf dem Podium hinter seinem Rivalen Febvre auf dem zweiten Platz. Die Konkurrenz ist gewarnt!

Van Doninck als „Geheimtipp“?
Sowohl die Formkurve von Jago Geert (Monster Energy Yamaha) als Brent van Doninck (JM Honda Racing) ist auf dem Vormarsch. Letzterer scheint derzeit die besten Voraussetzungen zu haben. Nach einer schweren Verletzung feierte der gebürtige Herentaler ein starkes Comeback und konnte bereits mehrere Top-10-Platzierungen in den Heats erzielen. Auf dem sandigen KymiRing erreichte Van Doninck (Foto unten) im Endklassement sogar den 6. Platz und im zweiten Heat den 4. Platz.
Für den 24-fachen GP-Sieger Geerts ist sein Heimrennen die perfekte Gelegenheit, erneut zu zeigen, was er kann. Nach zwei schwierigen Saisons scheinen die Chancen auf einen längeren Verbleib im Yamaha-Werksteam gering. Jetzt ist es an der Zeit, sich ins Rampenlicht zu rücken!

Für Van Doninck und Geerts wäre ein Podiumsplatz vor heimischem Publikum ein enormer Ansporn. Zwischen Träumen und Taten gibt es in diesem Fall eine Reihe von Anwärtern, wie zum Beispiel Ruben Fernández (HRC Honda), Andrea Bonacorsi (Fantic Factory Racing) de Maxim Renaux (Monster Energy Yamaha). Sogar ein Sandspezialist Isak verschenken (Bild unten) gilt als einer der Außenseiter für einen Top-5-Platz. Der körperlich starke Schwede dürfte mit viel Selbstvertrauen antreten, da er beim GP von Tschechien nur den fünften Platz belegte. Als MX5-Fahrer kam der Führende von JK Racing Yamaha 2 zweimal einem Podiumsplatz nahe, wobei ein P2020-Rennen das Highlight war.
In der Vergangenheit Jeremy Seewer aIch sehe, dass auch er im Sandkasten von Lommel glänzen kann. Der sympathische Schweizer stand hier zweimal auf dem Podium (MXGP, 2020 und MX2, 2016). Auf der neuen Ducati Desmo 450MX hat er sich bisher allerdings noch nicht so recht eingelebt.
Vollständige Teilnehmerliste hier
Wochenendzeit hier

Ehrentafel GP Lommel – MXGP / MX1 / 500cc
2024 – Jeffrey Herlings (NED – KTM)
2023 – Romain Febvre (FRA – Kawasaki)
2022 – Brian Bogers (NED – Husqvarna)
2021 – Romain Febvre (FRA – Kawasaki)
2020* – 2x Tim Gajser (SLO – Honda), Jorge Prado (SPA – KTM),
2019 – Tim Gajser (SLO – Honda)
2018 – Jeffrey Herlings (NED – KTM)
2017 – Jeffrey Herlings (NED – KTM)
2016 – Kevin Strijbos (BEL – Suzuki)
2015 – Shaun Simpson (GBR – KTM)
2014 – Antonio Cairoli (ITA – KTM)
2012 – Antonio Cairoli (ITA – KTM)
2011 – Antonio Cairoli (ITA – KTM)
2010 – Antonio Cairoli (ITA – KTM)
2009 – Ken De Dycker (BEL – Suzuki)
2008 – Jonathan Barragan (SPA – KTM)
1997 – Avo Leok (EST – Kawasaki)
*aufgrund des angepassten Covid-Kalenders fanden in Lommel drei aufeinanderfolgende GPs statt
Fotos: Shootyou.be, JP Acevedo, Kawasaki, Fullspectrum Media, Fantic, Offroad Pro Racing












