Veröffentlicht am: 12. November 2025

ZSie sind erst neunzehn, aber Lucas und Sacha Coenen haben sich bereits fest in der Motocross-Weltelite etabliert. Die belgischen Zwillinge aus Overijse gehören zu den derzeit meistdiskutierten Nachwuchsfahrern.

Obwohl sie beide unbestreitbar ein gemeinsames Talent besitzen, zeichnet sich langsam ein Unterschied in der Richtung und den Ergebnissen zwischen den beiden Brüdern ab.

Lucas Coenen: Der Blitzschritt in die Weltspitze

Lucas Coenen sorgte im Jahr 2024 für Furore MX2-klasse indem er mit siebzehn Jahren Vizeweltmeister wurde. Er gewann vier Grand Prix, stand zwölfmal auf dem Podium und fuhr fast jedes Wochenende unter die ersten Fünf. Sein Übergang zum MXGP war gewagt, wurde aber auf Anhieb ein Riesenerfolg.

In seiner Debütsaison in der MXGP erzielte Lucas schnell beeindruckende Ergebnisse. Er gewann Läufe in der Schweiz und in Frankreich und war damit der erste Belgier seit fünf Jahren, der einen GP-Sieg in der Königsklasse errang. Seine Konstanz ist bemerkenswert: Er fährt fast in jedem Lauf in die Punkte und gehört zu den wenigen Teenagern, die mit etablierten Namen wie … mithalten können. Romain Febvre en Tim Gajser.

Experten loben insbesondere sein technisches Können, seinen flüssigen Fahrstil und seine mentale Ruhe. Während viele junge Fahrer beim Start eines MXGP-Rennens nervös werden, bleibt Lucas bemerkenswert gelassen. Seine körperliche Ausdauer und sein strategisches Verständnis machen ihn schon in jungen Jahren zu einem kompletten Fahrer – jemandem, der nicht nur schnell ist, sondern auch ein Rennen analysieren kann.

Sacha Coenen: pure Geschwindigkeit mit Entwicklungspotenzial

Sacha Coenen wird seine zweite Saison im MX2-klasse, auch für  Red Bull KTM2024 gelang ihm der Durchbruch mit seinem ersten GP-Sieg in Spanien und einem achten Platz in der Weltmeisterschaft. Ein Jahr später steigerte er seine Leistung weiter und fuhr mehrere Moto-Siege sowie einige GP-Podiumsplätze ein.

Seine Saison verlief jedoch unbeständiger als die seines Bruders. Während Lucas selten stürzt, verliert Sacha gelegentlich wichtige Punkte durch Stürze oder kleine Fehler. Seine Starts sind oft phänomenal, doch die Umwandlung dieses explosiven Auftakts in konstante Ergebnisse bleibt seine größte Herausforderung.

Seine schiere Geschwindigkeit ist jedoch unbestreitbar. Im Zeitfahren ist Sacha regelmäßig der Schnellste im Feld, und sein aggressiver Fahrstil macht ihn zum Publikumsliebling. Sein Team beschreibt ihn als „KTMs Rohdiamanten“ mit noch lange nicht ausgeschöpftem Potenzial.

Der brudermörderische Kampf in Zahlen und Ergebnissen

Beim Vergleich der Ergebnisse wird der Unterschied in Reife und Konstanz deutlich. Lucas hat in drei Weltmeisterschaftssaisons 15 Grand Prix gewonnen und 29 Podiumsplätze erreicht. Seine durchschnittliche Platzierung pro Lauf liegt bei etwa Platz vier.

Sacha kann nun vier GP-Siege und zehn Podiumsplätze vorweisen. Seine durchschnittliche Endplatzierung liegt etwas niedriger, etwa auf Platz sechs – hauptsächlich aufgrund von Leistungsschwankungen und einigen Ausfällen. Belgische Buchmacher Lucas gilt als Favorit. Der Grund? Während Lucas fast jedes Wochenende punktet, erlebt Sacha noch zu viele Leistungseinbrüche, obwohl seine besten Tage mindestens genauso spektakulär sind.

Zwei Wege, ein Traum

Trotz ihrer unterschiedlichen Ergebnisse verfolgen die Brüder ein gemeinsames Ziel: Weltmeister zu werden. Sie trainieren täglich zusammen, fahren oft mit den gleichen Setups und Motoren und spornen sich gegenseitig auf ein Niveau an, das in dieser Klasse selten zu sehen ist. Ihre Rivalität ist freundschaftlich, aber dennoch intensiv. „Wir wollen beide gewinnen, aber wenn er gewinnt, bin ich stolz“, sagte Lucas kürzlich über seinen Bruder.

Die Chancen stehen gut, dass Lucas Coenen wird den belgischen Motocross-Sport in den kommenden Jahren wieder auf höchstem Niveau ins Rampenlicht rücken. Gleichzeitig Sacha Coenen eines der aufregendsten Talente in der MX2-Klasse – ein Fahrer, der, sobald er den Dreh raus hat, genauso gefährlich werden könnte wie sein Bruder.

Die Coenen-Zwillinge verkörpern die Zukunft des belgischen Motocross. Während Lucas bereits die etablierten Namen in der MXGP herausfordert, steht Sacha in der MX2 kurz davor, zur Weltspitze aufzuschließen.

Fotos: JP Acevedo, Fotokunst, Samo Vidic/Red Bull Contentpool