Veröffentlicht am: 17. Dezember 2025

TWährend die Zuschauer in Vancouver glaubten, ein reguläres WSX-Rennen zu sehen, fand hinter den Kulissen ein Test statt, der Supercross und damit langfristig auch Motocross grundlegend verändern könnte. Diesmal ging es nicht um ein Motocross-Motorrad, sondern um etwas, das die FIM bisher verboten hat: Funkkommunikation zwischen Boxengasse und Fahrer.

Die Supercross-Weltmeisterschaft (WSX) arbeitet gemeinsam mit Cardo Systems und der FIM an einer Technologie, die eine völlig neue Ära im Supercross einläuten könnte: die Funkkommunikation zwischen Fahrer und Team. Während dies in der Formel 1, NASCAR und anderen Motorsportarten seit Jahrzehnten üblich ist, war es im Supercross bisher unmöglich.

Ein Test mit großem Potenzial

Beim Großen Preis von Kanada hatten Daniel Blair und Jeff Emig die Gelegenheit, das neue Cardo Packtalk Edge-System zu testen. Dieses Helmkommunikationssystem ist sprachgesteuert, funktioniert über DMC Mesh™ und verfügt über eine fortschrittliche Geräuschunterdrückung. Selbst im Trubel eines Supercross-Rennens blieb die Verbindung klar und stabil, wie erste Rückmeldungen zeigten.

Erstmals konnten Fahrer während ihrer Runde direktes Feedback erhalten. Allerdings durften die WSX-Fahrer das System zunächst nur im freien Training testen; die FIM verbietet jegliche Kommunikationssysteme während offizieller Sessions. Der gesamte Test wurde daher abgesagt – wobei es sich offenbar eher um eine Verschiebung als um eine Absage handelt.

Kommunikation, die Leben retten kann

Die Vorteile liegen auf der Hand. Eine einfache Benachrichtigung, die einen gestürzten Fahrer alarmiert, kann Unfälle verhindern, bevor sie passieren. Das System bietet zudem strategische Optionen: Rundenzeiten in Echtzeit, Feedback zu Motor und Fahrwerk sowie direkte Hinweise zu Ideallinie und Fahrrhythmus.

Wo die Teams bisher mit Boxentafeln und vielen Verzögerungen arbeiten mussten, können Informationen bald live geteilt werden – mitten in einer Rhythmussektion oder sogar während der Fahrer über einem Dreisprung in der Luft ist.

Die FIM verbietet aus Sicherheitsgründen externe Helmkomponenten. Ein harter Sturz mit einer extern angebrachten Komponente birgt ein erhebliches Risiko. Cardo hat dieses Problem mit einem intern integrierten Modul gelöst, das vollständig in die Helmstruktur eingearbeitet ist. Dadurch ist die Technologie FIM-konform und auf höchstem Niveau einsetzbar.

Profitieren auch die Fans davon?

Die Auswirkungen reichen weit über das Fahrerlager hinaus. In Kombination mit Action-Kameras wie GoPro oder Insta360 können Fans schon bald die Kommunikation zwischen Fahrern und Teams live mitverfolgen. Man denke nur an die Kommunikation in der Formel 1, wo sich die Realität des Rennens im Dialog zwischen Fahrern und Boxenmauer widerspiegelt: taktische Anweisungen, Frustration, Anspannung und Adrenalin – alles in Echtzeit.

Dadurch entsteht ein Zuschauererlebnis, das den Motorsport so nah an die Öffentlichkeit bringt wie nie zuvor. Sollte die FIM dieses System in wenigen Jahren – möglicherweise schon in zwei Jahren – genehmigen, wäre das eine grundlegende Revolution für Supercross. Strategische Kommunikation, Sicherheitssignale und Echtzeitentscheidungen würden den Sport auf ein professionelleres und sichereres Niveau heben.

Die Meinung von Ricky Carmichael und Travis Pastrana

Ricky Carmichael: "Ich halte es für ein großartiges Hilfsmittel sowohl aus der Sicht des Fahrers als auch aus der Sicht des Trainers. Ich persönlich wünschte, wir hätten das schon gehabt, als ich noch aktiv Rennen fuhr."

Travis Pastrana: "Es war eine ganz neue Erfahrung für uns, rauszugehen und alles zu besprechen… einfach toll, diese Kommunikation zu haben, nicht nur auf professioneller Ebene, um mit den anderen Fahrern und Kameraleuten zu kommunizieren, sondern auch auf familiärer Ebene, um die Kinder zu schützen und ihnen Selbstvertrauen auf den Trails zu geben."

Tekst: Danny Hermans
Fotos: Cardo Systems