DDie sechste Etappe war mit stolzen 915 Kilometern, davon 326 auf der Uhr, zugleich die längste dieser Tour. Daniel Sanders gewann die Etappe, erhielt aber eine saftige Zeitstrafe, wodurch Ricky Brabec den Gesamtsieg errang.
Die Etappe stand ganz im Zeichen von Sand, Geschwindigkeit und Strategie. Auf diesen flachen, leicht hügeligen Dünen zeigte Daniel Sanders, warum er nach wie vor zu den Besten der Welt zählt. Der Amerikaner, Titelverteidiger von 2025, legte einen furiosen Start hin und überholte seinen Führenden José Ignacio Cornejo bereits am ersten Zeitmesspunkt. Nach 38 Kilometern lag er schon im zweiten Zwischenzeitfeld, direkt hinter Michael Docherty – dem Südafrikaner, der nach seinem Abbruch der vorherigen Etappe mit einem beeindruckenden Tempo zurückkehrte.
Von diesem Moment an war Sanders nicht mehr zu stoppen. Nach 78 Kilometern fuhr er die schnellste Zeit und hatte bei Kilometer 162 auch seinen Teamkollegen Kevin Benavides überholt. In kaum einer halben Etappe hatte er mehr als sechs Minuten auf den Sieger vom Donnerstag gutgemacht und zudem wertvolle Zeitbonifikationen eingesammelt.

Eine makellose Fahrt? Nicht ganz.
Sanders gab bis zum Schluss den Ton an. Ricky Brabec und Tosha Schareina – beide Honda-Fahrer – konnten mit dem Tempo des KTM-Piloten kaum mithalten. Bei Kilometer 186 hatte Sanders bereits einen Vorsprung von über drei Minuten herausgefahren, Bonuszeiten nicht eingerechnet. Im letzten Abschnitt machte sich jedoch Unsicherheit breit. Im weitläufigen Dünenfeld musste er sich vollständig auf seine Navigation verlassen, was sein Tempo etwas verlangsamte. Brabec nutzte dies aus und konnte auf den letzten vierzig Kilometern Boden gutmachen.
Im Ziel stand Sanders' Zeit bei 3 Stunden, 36 Minuten und 50 Sekunden: scheinbar ausreichend für einen Sieg mit fast fünf Minuten Vorsprung. Doch die Freude währte nicht lange. Der Amerikaner gab zu, die Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten zu haben – ein Vergehen, das ihm eine Sechs-Minuten-Strafe einbrachte.
Brabec profitiert, Sanders fällt zurück
Der Tagessieg ging somit nicht an Sanders, sondern an Ricky Brabec, der knapp vor seinem Teamkollegen Schareina ins Ziel kam. Sanders fiel auf den dritten Platz zurück, dicht gefolgt von Docherty, der trotz einer starken Aufholjagd ebenfalls eine Zeitstrafe erhielt. Skyler Howes und Adrien van Beveren rückten dadurch auf die Plätze vier und fünf vor, während Benavides Sechster wurde.
Michael Docherty belegte erneut den siebten Platz und war damit der beste Fahrer in der Rallye-2-Kategorie, gefolgt von Toni Mulec. Cornejo und Ross Branch (beide Hero) komplettierten die Top Ten. Edgar Canet, der Anfang der Woche aufgrund eines Reifenschadens am Hinterrad mehrere Stunden verloren hatte, zeigte eine starke Leistung und erreichte den 2. Platz. Unser Landsmann Jérôme Martiny wurde heute 24. und kletterte ohne fremde Hilfe wieder auf den zweiten Platz der Gesamtwertung.

Daniel Sanders bleibt knapper Führender in der Gesamtwertung.
Rangliste: Alles wieder offen
Die Folgen von Sanders' Fehler machten sich in der Gesamtwertung bemerkbar. Sein Vorsprung auf Brabec schrumpfte auf nur noch 45 Sekunden. Benavides liegt aktuell auf dem dritten Platz, hat aber nun mehr als zehn Minuten Rückstand. Ihm dicht auf den Fersen ist Schareina, der nur anderthalb Minuten zurückliegt.
Cornejo komplettiert die Top Fünf, doch mit 35 Minuten Rückstand scheint der Chilene vorerst keine Chance mehr auf den Gesamtsieg zu haben. Der Ruhetag in Riad kommt daher genau zum richtigen Zeitpunkt – sowohl für die Fahrer als auch für die Teams –, um sich für die entscheidende zweite Woche in der Wüste zu erholen. Am Sonntag steht die 7. Etappe auf dem Programm, die erneut 900 km durch schnelle Sandpassagen führt. Satte 462 km werden im Zeitfahren zwischen Riad und Wadi Ad Dawasir zurückgelegt.
Stufe 6
| 1 |
009 – R. BRABEC (USA)
|
HONDA |
|
3h41m33s | + 00: 00: 00 | –:–:– |
| 2 |
068 – T. SCHAREINA (ESP)
|
HONDA |
|
3h42m47s | + 00: 01: 14 | –:–:– |
| 3 |
001 – D. SANDERS (AUS)
|
KTM | 450 RALLY FACTORY
|
3h42m50s | + 00: 01: 17 | + 00: 06: 00 |
| 4 |
010 – S. HOWES (USA)
|
HONDA |
|
3h45m36s | + 00: 04: 03 | –:–:– |
| 5 |
042 – A. VAN BEVEREN (FRA)
|
HONDA |
|
3h46m54s | + 00: 05: 21 | –:–:– |
| 6 |
077 – L. BENAVIDES (ARG)
|
KTM | 450 RALLY FACTORY
|
3h47m10s | + 00: 05: 37 | –:–:– |
| 7 |
014 – M. DOCHERTY (RSA) ×
|
KTM | 450 Rally Factory Replika
|
3h51m06s | + 00: 09: 33 | + 00: 07: 00 |
| 8 |
016 – T. MULEC (SLO)
|
KTM | 450 Rally Factory Replika
|
3h53m39s | + 00: 12: 06 | –:–:– |
| 9 |
011 – I. CORNEJO (CHI)
|
HELD | 450 RALLYE
|
3h54m02s | + 00: 12: 29 | –:–:– |
| 10 |
046 – R. BRANCH (BOT)
|
HELD | 450 RALLYE
|
3h55m07s | + 00: 13: 34 | –:–:– |
| 24 |
025 – J. MARTINY (BEL)
|
HONDA |
|
4h16m33s | + 00: 35: 00 | –:–:– |
Zwischenstand
| 1 |
001 – D. SANDERS (AUS)
|
KTM | 450 RALLY FACTORY
|
24h41m00s | + 00: 00: 00 | + 00: 06: 00 | -00:13:38 | (1) |
| 2 |
009 – R. BRABEC (USA)
|
HONDA |
|
24h41m45s | + 00: 00: 45 | –:–:– | -00:07:23 | (2) |
| 3 |
077 – L. BENAVIDES (ARG)
|
KTM | 450 RALLY FACTORY
|
24h51m15s | + 00: 10: 15 | –:–:– | -00:01:48 | (3) |
| 4 |
068 – T. SCHAREINA (ESP)
|
HONDA |
|
24h52m56s | + 00: 11: 56 | + 00: 10: 00 | -00:11:59 | (4) |
| 5 |
011 – I. CORNEJO (CHI)
|
HELD | 450 RALLYE
|
25h10m50s | + 00: 29: 50 | –:–:– | -00:03:59 | (5) |
| 6 |
010 – S. HOWES (USA)
|
HONDA |
|
25h13m03s | + 00: 32: 03 | + 00: 02: 00 | –:–:– | (6) |
| 7 |
042 – A. VAN BEVEREN (FRA)
|
HONDA |
|
25h37m35s | + 00: 56: 35 | –:–:– | –:–:– | (7) |
| 8 |
007 – B. COX (RSA)
|
Sherco | 450 RALLYE
|
26h06m28s | + 01: 25: 28 | –:–:– | –:–:– | (8) |
| 9 |
085 – P. CAMPBELL (USA)
|
HONDA |
|
26h12m04s | + 01: 31: 04 | –:–:– | –:–:– | (9) |
| 10 |
046 – R. BRANCH (BOT)
|
HELD | 450 RALLYE
|
26h17m10s | + 01: 36: 10 | + 00: 06: 00 | –:–:– | (10) |
| 24 |
025 – J. MARTINY (BEL)
|
HONDA |
|
29h00m12s | + 04: 19: 12 | + 00: 06: 00 | –:–:– | (24) |
Tekst: Danny Hermans
Fotos: ASO











